30 Jahre Gladbeck – Vorwürfe gegen Presse und Polizei

Am 16. August 1988 überfielen Dieter Degowski und Hans-Jürgen Rösner die Filiale der Deutschen Bank im nordrhein-westfälischen Gladbeck. Im Anschluss nahmen sie mehrmals Geiseln und flüchteten mit ihnen zwei Tage lang durch Deutschland und die Niederlande. Die Geiselnahme endete am 18. August 1988 in einer  Polizeiaktion auf der Autobahn 3 bei Bad Honnef. Jetzt werden Vorwürfe gegen die Polizei und Presse erneut aufgeworfen. Frau Ines Voitle, die Freundin der getöteten Silke Bischoff, sprach mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Während der Flucht ermordete Degowski den 15-jährigen Italiener Emanuele De Giorgi in einem entführten Linienbus und bei der Verfolgung in die Niederlande kam bei einem Zusammenstoß mit einem LKW ein Polizist ums Leben. Eine zweite Geisel, die 18-jährige Silke Bischoff, wurde während der abschließenden Polizeiaktion auf der Autobahn erschossen. Laut Behördenangaben wurde der tödliche Schuss auf sie aus der Waffe Rösners abgegeben. Eine Zeugin behauptet anderes!

Polizei habe versagt

Die Geisel Ines Voitle erhebt schwere Vorwürfe gegen die Polizei. So habe es keine Zugriffe der Polizei gegeben, wenn eingekauft oder gegessen wurde. Es habe Kompetenz- und Zuständigkeitsgerangel und Behörden hätten nicht miteinander kooperiert.

Polizei habe Silke Bischoff erschossen

Die Augenzeugin und Freundin der getöteten Silke Bischoff widerspricht der Version, dass Rösner den tödlichen Schuss abfeuerte. Ines Voitle befand sich mehr als 19 Stunden  in der Gewalt der Geiselnehmer von Gladbeck Hans-Jürgen Rösner und Dieter Degowski.

Das Ende der Geiselnahme überlebte sie. Selbst war sie von einer Polizeikugel getroffen. Sie war leicht verletzt worden. Ein Sondereinsatzkommando beendete die Geiselnahme gewaltsam auf der Autobahn zwischen Köln und Frankfurt.

Ihre Freundin Silke Bischoff kam bei diesem Zugriff um. Hierfür wurde der Geiselnehmer Rösner beschuldigt und verurteilt. Ines Voitle sagt hierzu, dass sie daran nicht glaube. Rösner hätte es nie gewagt, Silke zu erschießen. Sie habe im Interview auch gesagt, dass die Polizei Silke erschossen haben. Es sei „eine Kugel von draußen“ gewesen.

Die Rolle der Presse – damals wie heute – war auch bedeutend!

So interviewten Journalisten die Geiselnehmer, fuhren in Fluchtfahrzeugen mit und behinderten durch ihre Nähe zu den Geiselnehmer enorm die Polizeiarbeit. Außer der Polizei wirft Ines Voitle auch den Medien schwere Fehler vor. Die Menschenwürde sei verletzt worden. Alle wären sensationsgeil gewesen. Sie habe sich selbst wie ein Schlachtvieh gefühlt.

30. Jahrestag – Täter sind frei

Die Anklage warf später den Tätern Rösner und Degowski gemeinschaftlichen erpresserischen Menschenraub und Geiselnahme mit Todesfolge vor, Degowski dazu Mord und Rösner versuchten Mord. Beide wurden am 22. März 1991 vom Landgericht Essen zu lebenslangen Freiheitsstrafen verurteilt; für Rösner wurde darüber hinaus Sicherungsverwahrung angeordnet, da er nach Überzeugung des Gerichts ein Hangtäter sei. Rösners Freundin Marion Löblich erhielt eine neunjährige Freiheitsstrafe.Beide Geiselnehmer sind aus der Haft entlassen worden. Hierüber berichtete ich schon im Oktober 2017 im Blogbeitrag:

GLADBECKER GEISELNEHMER BALD FREI? WARUM NICHT?

Heute zum 30. Jahrestag soll es ein Gedenken und Gespräche mit den Opfern geben. Mal sehen, ob die Vorwürfe dort Unterstützung durch die anderen Opfer finden.

Ihr Rechtsanwalt / Strafverteidiger Thomas Penneke

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